II. Der Virus der Geschwindigkeit - Die alten Wiener Tramways

Die zahlreichen Züge der Nostalgievereine werden überaus häufig zu Sonderfahrten herangezogen. Einerseits erfreuen sich private Rundfahrten zu Geburtstagen oder Betriebsfeiern großer Beliebtheit, andererseits werden zu Tramwaytagen und ähnlichen Veranstaltungen immer wieder Zubringerlinien eingerichtet, die dann mit den gutgepflegten Wagen betrieben werden. Links ein Solowagen vor dem Burgtheater, rechts ist ein klassischer M-Dreiwagenzug am Columbusplatz in Wien-Favoriten zu sehen.


10 Jahre nach dem letzten Einsatz eines "M" wurde diese Fahrt in kleinem Kreis wiederholt. Der erhalten gebliebene M 4134 steht in der Nußdorfer Schleife, besteckt als "D gestrichen", wie diese Einlagezüge seinerzeit genannt wurden. Die idyllisch in einem Heurigenvorort gelegene Schleife ist auch eisenbahnhistorisch interessant: Sie umrundet das Gebäude der in den 20er Jahren eingestellten Zahnradbahn auf den nahegelegenen Kahlenberg. Trotz der seit der Einstellung vergangenen Jahrzehnte ist die Bahn im Gedächtnis der Bezirksbewohner immer noch fest verankert; die Zahnradbahnstraße folgt der ehemaligen Trasse, die teilweise noch gut erkennbar ist.


Das "Maskottchen" des Jubiläumsjahres 1997 war dieser bunt lackierte Gelenkzug, der hier blumengeschmückt auf sein Defilée wartet. Extra für die Parade wurde die Signalscheibe "100" angefertigt (eine echte Linie 100 hat es in Wien nie gegeben). Meist auf der Linie 5 unterwegs, ist der Zug bis heute eine willkommene Abwechslung im üblichen rot-weißen Tramwayalltag, obwohl die Front und das Heck leider nicht zum poppigen Seitenwanddesign passen. Der Grund ist typisch wienerisch: Man ist der Meinung, dass Fahrgäste eine Straßenbahn nicht erkennen, wenn sie nicht rot-weiß ist...


Früher war auch der Lastenverkehr auf der Straßenbahn bedeutend. Heute werden die meisten Fahrten per LKW abgewickelt, nur bei Arbeiten an auf diese Weise nicht erreichbaren Streckenteilen kommen die wenigen verbliebenen Güterwagen zum Einsatz. Auf diesem Bild fährt ein typischer Lastzug der 60er Jahre zur großen 100-Jahr-Tramwayparade.


Auf ebendieser Parade gelang auch diese schöne Aufnahme des klassischen Wiener 3-Wagen-Zuges, besteckt als Ringlinie Ak. Als Aufnahmeort wählte ich die Wehlistraße unweit der damaligen Endstelle, dem Elderschplatz. Der Zug befindet sich an der letzten, mittlerweile abgebauten Niveaukreuzung mit der Eisenbahn, im Hintergrund ist das Decksignal am Mast sichtbar. Dieses letzte erhaltene Streckenstück der Straßenbahnlinie 11 wird, obwohl auf eigenem Gleiskörper, in einigen Jahren durch die verlängerte U2 ersetzt werden.


Im Oktober 1987 hatte ich das Glück, den uralten Kranwagen 6113 beobachten zu können. Ein noch größerer Zufall war, dass ich meine Kamera dabeihatte, und so gelangen einige sehr schöne Betriebsaufnahmen. Dieser Wagen hatte als letzter völlig offene Plattformen; hier wird an einer Gleisbaustelle der Linie 49 gearbeitet. Im Gegensatz zu den heutigen Dieselfahrzeugen war der Wagen überraschend leise, die ganze Geräuschkulisse war eigenartig anders als gewohnt. Keine aufheulenden Motoren, nur das Summen der Gleichstrommotoren und das Aufeinanderschlagen der verlegten Schienen war zu hören.


Einige Wagen hat es auch zu Museen im In- und Ausland verschlagen. Hier ein Wiener Zug in Amsterdam: Der "L1" 2614 wartet mit seinem Beiwagen in der Schleife auf Fahrgäste.


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