
Otto Wagners Stadtbahnbauten heute


Oben: Die bekannteste Stadtbahnstation - Karlsplatz
Unten: Der prachtvolle Hofpavillon in Hietzing, der allerdings nur zur Eröffnung von Kaiser Franz Joseph I. benutzt wurde.
Die Station "Stadtpark" an der heutigen U4 ist die letzte praktisch unveränderte Station (natürlich wurden die Bahnsteige für den U-Bahn-Betrieb angehoben). Sie bekam einen neuen Ausgang in den Stadtpark, der sich recht unauffällig an das alte Bauwerk einfügt. Das neben der Station liegende Wienflussportal von Joseph Olbrich bildet mit der Station ein wunderschönes Ensemble.
Wagners Strukturen sind so typisch für Wien, dass diese Bilder von jedem Wiener sofort als aus seiner Heimatstadt stammend erkannt würden, auch wenn der konkrete Aufnahmeort vielleicht nicht gleich feststellbar wäre. Die Stadtbahn wird von Architekturkritikern als "Gebäude, das die ganze Stadt durchzieht" beschrieben; das Sonnenradgeländer ist für Wien so typisch wie die floralen Metroschilder in Paris. Die Fotos oben zeigen die heute nicht mehr bestehende Verbindungsrampe zwischen Gürtellinie und Wiental; unten Details der Hochstrecke am Gürtel.
Typisch für den Gürtel sind die "Stadtbahnbögen", die lange Zeit als Magazine und von Kleingewerbebetrieben genutzt wurden. Seit einigen Jahren versucht die Stadtverwaltung, die Mittelzone zwischen den Richtungsfahrbahnen zu revitalisieren - keine einfache Sache zwischen den Autofahrbahnen, die tagsüber zugestaut und abends von entfesselten Freizeitpiloten als Autorennbahn genutzt werden. Darüberhinaus versickern fast alle guten Ideen und Pläne in den Sümpfen der alles lähmenden Wiener Bürokratie: Zwischen Bundesstraßenverwaltung, Magistrat, Verkehrsbetrieben und Bezirkskaisern kämpft eine junge Architektin mühselig um jeden Meter Platz für Fußgänger, während jeder verlorene Parkplatz von der Autolobby als Weltuntergang angeprangert wird. Die Projekte sind stark in Verzug; erst einige wenige Stadtbahnbögen konnten bisher von neuen Benutzern bezogen werden, es bestand sogar die Gefahr, dass die EU-Fördergelder zurückgezahlt werden müssen.
Während die Wiental-, Donaukanal- und Gürtellinie seit ihrem Bau weitgehend ohne größere Pausen befahren wurden, lag die Vorortelinie jahrzehntelang brach. Ursprünglich in fast unbebautem Gebiet angelegt, war sie von Anfang an nie sehr erfolgreich. Nur ihre Funktion als wichtige Verbindungsstrecke bewahrte sie vor der völligen Einstellung. Es war ein kleines Wiener Wunder, dass es tatsächlich zu einer Revitalisierung der vollkommen devastierten Strecke kam. Die obersten drei Bilder zeigen den Zustand der Station Hernals - heute glänzt sie in alter Pracht, als wäre sie immer bestens gepflegt worden. Witziges Detail am Rande: Die Strecke war solange eingleisig, dass die Bundesbahn Probleme mit dem Wiener Baumschutzgesetz bekam - die mittlerweile auf der Trasse gewachsenen Bäume waren schon so mächtig, dass sie nicht mehr so ohne weiteres gefällt werden durften... Die Vorortelinie wird übrigens von keiner heutigen U-Bahn-Linie befahren, sondern ist im Besitz der Bundesbahn geblieben. Nach wie vor fahren zwischen den Schnellbahngarnituren auch Güterzüge durch die Jugendstilstationen.
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