II. Der Virus der Geschwindigkeit - Bitte alles aussteigen!

Die unbestritten schönste Endstation Wiens ist Grinzing. Die Schleife führt durch einen Torbogen
Die nächsten beiden Endschleifen sind unspektakulär, aber typisch für den Charakter der Wiener Aussenbezirke. Links die Linie 0 in der Migerkastraße. Die Schleife führt um einen typischen Gemeindebau der Zwischenkriegszeit. Noch liegt das typische Granitpflaster zwischen den Gleisen, und die eingesetzten Gelenktriebwagen der Type E sind mit fast 40 Jahren die ältesten noch in Betrieb befindlichen Wagen der "Wiener Linien". - Rechts die Endstation der Linie 42 im tiefsten 17. Bezirk. Auch hier erinnert ein Gemeindebau an das "Rote Wien", diesmal führt die Trasse sogar durch das Haus. Gleich nach der Kurve liegt dann die eigentliche Endstation, in der meist zwei Triebwagen Pause machen. In dieser Szene sind es wegen eines Wagentausches sogar drei Züge.
Ein großer Zeitsprung ist nötig, um zu einer der modernsten Endstationen Wiens zu gelangen. Am Urban-Loritz-Platz entstand ein großes Membrandach als Symbol für die Erneuerung des "Gürtels". Ein auf den ersten Blick interessanter optischer Eindruck, vor allem nachts; leider ist die an sich spannende Idee in den Mühlen der Wiener Bürokratie zu einer Kompromisslösung zerrieben worden. Das große Dach überspannt vor allem Leerflächen oder Autofahrspuren, während die eigentlichen Stationen nach wie vor nicht vor Regen geschützt sind. Obendrein wurde auch noch der intakte Baumbestand geopfert und der vorher großzügige Bahnsteig auf einen engen Streifen reduziert.
Von einem bemühten, aber schlecht umgesetzten Projekt der 90er Jahre ein Sprung zu einer gigantischen Fehlentscheidung der 60er. Gleisreste erinnern an einen schmerzlichen Verlust, der von kurzsichtigen Provinzpolitikern verursacht wurde:
Die Überlandlinie 360 wurde 1967 politischen Streitereien zwischen Niederösterreichn und Wien geopfert - und das, obwohl die Gleise erst 1963 komplett erneuert wurden und die noch heute
Das andere Ende der Linie N liegt im Prater. Die dort vorhandene Schleife lässt noch die
Ein Stück weiter: die Endstation "Otto-Probst-Platz" im Neubaugebiet am Wienerberg mit zwei Zügen der Linie 67 - leider eine der letzten Linienverlängerungen für längere Zeit...
Diese Endstation lockt nur an wenigen Tagen im Jahr große Menschenmengen an. Es ist allerdings keine Sportanlage und kein Vergnügungszentrum - der "Zentralfriedhof" ist es, der
Zuletzt noch eine Gegenüberstellung. Die beiden Bilder zeigen denselben Ort und illustrieren die Änderung der Verkehrsströme. In der Zwischenkriegszeit waren Pferderennen so attraktiv, dass ein richtiger "Bahnhof" für die anreisenden Passagiere gebaut wurde. Heute ist der Galopprennplatz ein Relikt; die vergleichsweise wenigen Gäste kommen mit dem Auto. Als einziger Rest einer früher immens wichtigen Verkehrsverbindung hat eine Buslinie überlebt, die bei Bedarf geführt wird. Der Ort ist einer der einsamsten in Wien; gleichzeitig eine der glücklicherweise nur wenigen Endstationen, an der man fast immer vergeblich darauf wartet, nach Hause gebracht zu werden.
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Die Endstationen der Wiener Tramway haben Charakter - ob sie am Rand des Wienerwaldes oder an der Ringstraße, im Zentrum Wiens, liegen. Neuwaldegg, Grinzing, Bellaria - jeder Wiener verbindet mit diesen Begriffen urtypische Orte im Stadtraum. Lange Jahre wurde die Endstation des 62ers von einem Schaffner mit "Kärntner Ring / Oper - Zentrum von Europa!" ausgerufen, und in Sievering gab
es eine Gans, die am liebsten auf den Gleisen des 39ers saß. Legenden? Nein - Die Gans hieß "Lilly" und erhielt ein Denkmal - und die Opernkreuzung ist für den Wiener wirklich das Zentrum des Kontinents.
um ein Ensemble von niedrigen Häusern. Für Legionen von nachhaltig erfrischten Wienern war die Fahrt mit dem 38er wohl die letzte Galgenfrist vor der peinlichen Befragung, die von der zuhause wartenden Ehefrau zu erdulden war... Heute frequentieren vor allem Touristen den Heurigenort, der von seiner Romantik nur wenig eingebüsst hat; die Wiener meiden die als Touristenfallen verschrieenen Großheurigen allerdings. Undenkbar übrigens, mit einer anderen Linie als dem "38er" in den Weinort zu fahren: Das starre Nummernsystem ordnet jeder zentrumsfernen Endstation eine eindeutige Liniennummer zu. Dieses System ist seit fast hundert Jahren gültig und wurde grossteils bis heute beibehalten.
Eine andere Heurigenlinie ist der "D-Wagen". Diese letzte verbliebene lange Durchgangslinie verbindet zwei Endstationen, die gegensätzlicher kaum sein können: Nußdorf und Südbahnhof. In Nußdorf wird der alte Bahnhof umfahren, der bis zur Zwischenkriegszeit Ausgangspunkt für die Zahnradbahn auf den Kahlenberg war. Das Bild zeigt eine Sonderfahrt, die als Reminiszenz zum letzten Einsatz der in Wien berühmten Type M veranstaltet wurde. Die andere Endstation ist so hässlich, dass ich sie hier nicht zeigen möchte. Eine schöne Alternative ist allerdings das Bild vom
Karlsplatz, das anlässlich einer Umleitung entstand; die Linie D ist hier fast nie zu sehen. Hinter dem Zug glühen die vergoldeten Stadtbahnstationen Otto Wagners in den letzten Strahlen der Sommersonne, und die Türme der barocken Karlskirche sind markante Höhepunkte zwischen den Fassaden des Historischen Museums und der technischen Universität am Karlsplatz.
erkennbare Endstation neu angelegt wurde! Heute versinken die südlichen Vororte Wiens im Autochaos, und ein modernisierter 360er würde für Perchtoldsdorf und Mödling einiges an Entlastung bringen. Wie zum Hohn wurde vor wenigen Jahren die noch freie Trasse verbaut und damit jede Chance auf einen Neubau vernichtet.
Die nächsten beiden Linien gelten als "nobel" und sind auch nicht einstellungsgefährdet. Die Endstation des 43ers liegt in Neuwaldegg, einem Villenviertel am Rand des Wienerwaldes. Eine kleine Kapelle liegt in der Schleife, und steil ansteigende Wanderwege beginnen direkt an der Station. Die alte Holzveranda hat bis heute überlebt. Die Schleife des 58ers wurde dagegen erst in den Sixties angelegt, als die alten Zweirichtungszüge durch modernere Wagen ersetzt wurden.
Früher wurden einige hundert Meter weiter die Beiwagen umgekuppelt. Die "Verbindungsbahn" verhinderte die durchgehende Führung der Linie bis Ober St. Veit, die Anschlusslinie 158 stellte mit Pendelwagen die Verbindung her. Der 158er wurde eingestellt, die Linie 58 hingegen zur neuen Endschleife verlängert. Zum Aufnahmezeitpunkt stellte der 58er noch eine direkte Verbindung zum Ring her; mit der Eröffnung der U3 muss man nun am Westbahnhof umsteigen.
Wieder ein Sprung, diesmal von noblen Villenvierteln in typische Arbeiterbezirke. Die Linie 21 fährt (noch) nach zur Stadlauer Ostbahnbrücke; die Schleife liegt neben der Donau, umrahmt von der Eisenbahnlinie und Schrebergärten. Mit dem Neubau der U2 wird diese Linie verschwinden. Heute kann man den eigentümlichen Reiz einer Fahrt zwischen Lagerhäusern, Sportanlagen und unendlich langen Gemeindebauten noch erleben. Im Sommer schwirren Insektenschwärme über den grünen Hecken; die Herbststürme tragen den Geruch der Donau, das Brummen der Schiffsdiesel und das Donnern der Güterzüge auf der Donaubrücke zu den Tramwayzügen.
- Auf dem rechten Bild beginnt ein einsamer Einlagezug, besteckt mit "E", die Rückfahrt zum Donauinselfest. Hier werden allerdings kaum Leute einsteigen; die Massen werden den Zug erst an der Donaubrücke stürmen, um nach den zahlreichen Konzerten bei diesem größten Volksfest Europas zum Ring zu kommen.
Am stadtseitigen Brückenkopf der Floridsdorfer Brücke stehen die Linien 33 und N für die Festbesucher bereit. Die Fahrer nützen die Pausenzeit für einen kurzen Tratsch, eine Zigarette oder das Auffüllen der Sandbehälter aus dem grauen Kasten im Vordergrund.
vergangenen Großeinsätze ahnen; die Freizeitgewohnheiten haben sich allerdings geändert. Zu Zeiten der Monarchie setzten an schönen Tagen wahre Völkerwanderungen in den Prater ein; etliche Linien wurden hierher verlängert, um möglichst vielen Wienern eine umsteigefreie Fahrt zu ermöglichen. Heute genügt auch an schönen Sonntagen ein Solowagen, die Praterbesucher kommen mit dem Auto oder mit der U-Bahn, in der man Fahrräder mitnehmen kann.
An der Endstation der Linie 65 stehen die modernen Niederflurwagen in reizvollem Kontrast zur Industriearchitektur der Jahrhundertwende. Das Bild entstand an einem herrlichen
Frühsommermorgen, die ULFe waren noch selten und hatten noch nicht den ganzen Auslauf der Linie übernommen. Hinten sind noch zwei "klassische" Züge zu sehen. Auch diese Schleife entstand wegen
der Umstellung auf Einrichtungszüge. Im Hintergrund konkurriert der Wasserturm mit den grünen Glasfassaden des neuen Büroturms am Wienerberg. Das andere Bild entstand einige Minuten zuvor und macht den Kontrast noch deutlicher.
Quicktime-Panorama, ca 800 kB
die Wiener in Scharen anlockt, vorzugsweise um den ersten November. "Halb so groß wie Zürich, aber doppelt so lustig" lautet ein Sprichwort, das sich auf den größten Friedhof Europas bezieht, und das eigenartige Verhältnis der Wiener zum Sterben erklärt die Volksfeststimmung, die zu Allerheiligen hier herrscht (Mehr zum Zentralfriedhofsverkehr unter "Stadt in Bewegung").
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