II. Der Virus der Geschwindigkeit - Bunte Straßenbahn

Auch wenn die Totalwerbung in Wien immer eher ungeliebt war und nicht lange die rot-weissen Züge verunstaltet hat - es gibt immer noch Gelegenheiten, bunte Tramways zu sehen. Gerade weil sie so selten sind, ist ihnen die Aufmerksamkeit der Fahrgäste gewiss. Diesem Umstand Rechnung tragend, wurde nun ein alter Gelenkwagen extra als Werbetramway hergerichtet; dieser war für die Partei der Grünen in ganz Wien wahlkämpfend unterwegs. Abgesehen von diesem "Grashüpfer" gab es in den letzten Jahren auch einige andere Farbtupfer auf den Gleisen:


Den Anfang macht das Maskottchen der Jubiläumsfeiern 1997: Der bunte Jahrhundertzug war der Blickfang bei allen möglichen Feiern zum Thema "100 Jahre elektrische Straßenbahn in Wien". Der Zug fährt noch heute auf der Linie 5 - der ersten elektrischen Tramwaystrecke, die vor 100 Jahren die Pferdetramways ablöste.

Vor fast 20 Jahren (wie die Zeit vergeht!) hat der "Wiener", die damalige "Zeitschrift für Zeitgeist", einen Zug derselben Type gemietet, um ihn von New Yorker Graffittykünstlern stilecht zur "Subway" umdekorieren zu lassen. Die Burschen sollen ganz verblüfft gewesen sein, dass sie hier für Dinge bezahlt werden, für die sie zuhause gejagt werden...

Werbung ist natürlich generell ein Grund, die Züge bunt anzumalen. Das Wiener Tramwaymuseum finanziert die Restaurierung ihrer Züge zum Beispiel mit den beliebten "Manner"-Wagen, die von dem bekannten Wiener Schnittenhersteller immer wieder auf Stadtrundfahrten geschickt werden. "Manner" wirbt generell sehr traditionsbewusst: Die Firma bezahlt auch das Gehalt eines Steinmetzmeisters am Stephansdom, da dieser im Firmenzeichen geführt wird.

Ebenfalls am Ring, bei besserem Wetter, ein neuerer Zug: Ein "E" wurde zur "Internettram", und kreiste, innen mit Surfstations ausgestattet, einige Wochen um die Innenstadt. Dies war die erste Nutzung eines ausgemusterten Gelenkwagens für Werbezwecke, scheinbar durchaus erfolgreich, denn es ging bald ähnlich weiter.

Nicht wirklich bunt, eher in nobler Blässe, zeigt sich einige Monate später ein ähnlicher Wagen in der grauen Dekoration der Wiener Festwochen. Auch in diesem Fall erscheint der Ring den Auftraggebern als die klassische Route für diesen Einsatz.

Abgesehen von diesen Werbewagen, die ausschließlich als Sonderzüge unterwegs sind, gint es noch gelegentlich Werbebeiwagen. Den Anfang machten die gelben "Antenne"-Wagen, die für einen Radiosender Werbung machten; danach sind sie sozusagen "befördert" worden und haben für die überaus beliebte Real Life Soap "Taxi Orange" geworben, in der 12 junge Leute ein Taxiunternehmen betrieben. Dieser Beiwagen warb (wurb? werbte? :-) für das Begleitmagazin "Screenshots", ein weiterer war auf der Linie 60 unterwegs, die am Schauplatz der Serie vorbeiführt.

Von Spiel und Spaß zu ernsthafter Arbeit... Die Arbeitswagen sind natürlich auch Farbkleckse im rotweissen Straßenbild. Diese urigen Monster sind längst von den Schienen verschwunden, hier ist noch eines davon beim Westbahnhof unterwegs. Leider sind diese Transportfahrten zwischenzeitlich fast vollständig auf die Straße verlagert worden.

Die Arbeitswagen waren früher olivgrün gestrichen, erst in den letzten Jahren vor ihrer Verschrottung bekamen sie noch das oben gezeigte gelbe Outfit. Olivgrüne Wagen gibt es heute nur noch im Tramwaymuseum, hier ein Zug auf dem Weg zur großen Jubiläumsparade 1997.

Heute sind die Wagen immer noch gelb, aber erstens weniger und zweitens nicht so reizvoll. Die sogenannten "LH" sind heute die Allzweckwagen, hier als Zugfahrzeug für einen Gleistransport, aufgenommen 1987. Bei derselben Gelegenheit entstand das Bild des alten Kranwagens, zu sehen im nächsten Kapitel "Die alten Wiener Tramways".


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