I. Die Zukunft der Städte - Graz

Graz ist eine Mittelstadt und sehr mit den französischen Städten vergleichbar, in denen die Straßenbahn heute einen Erfolg nach dem anderen einfährt. Das Tramwaynetz von Graz ist allerdings in keiner Weise vergleichbar, die wunderschöne Stadt ist fest im Würgegriff des Autoverkehrs. Sogar in Wien wird besser mit der Straßenbahn umgegangen, und das ist nicht gerade ein Qualitätsurteil. Seit vielen Jahren werden Ausbaupläne gewälzt, nichts davon bisher realisiert. Eine Entlastungsstrecke durch die Innenstadt wäre dringend notwendig, die Züge behindern sich zwischen Jakomini- und Hauptplatz gegenseitig. Auch Streckenverlängerungen sind nicht durchsetzbar, dafür erstickt die Stadt in Abgasen, sogar in der Innenstadt stehen bereits Geschäfte leer. Immer noch glaubt man, das Heil in der autofahrenden Kundschaft zu finden.

Eine Volksbefragung zu einer Linienverlängerung ging vor einiger Zeit wegen folgender Frage gegen die Tramway aus: "Treten Sie dafür ein, dass die von der Stadt Graz geplante Verlängerung der Linie 6, die in dieser Form nicht zur Lösung der bestehenden Verkehrsprobleme beiträgt, nicht zur Ausführung gelangt?" Etwas so bizarres kann man nicht wirklich kommentieren.


Der Wagenpark ist überraschend vielfältig - immer wieder wurden Gebrauchtfahrzeuge erworben. Darüber hinaus wurden vorhandene Fahrzeuge verlängert, fast alle Sechsachser wurden inzwischen zu Achtachsern. In die "Stadtbahnwagen" der Reihe 600 wurden Niederflurmittelteile eingebaut (Bilder oben), ältere Wagen unter Verwendung von Altteilen umgebaut (unten links). Vor kurzem konnte man sich endlich zum Kauf moderner Fahrzeuge durchringen, der überaus gelungene "Cityrunner" ist nun der neue Star der Grazer Verkehrsbetriebe.

Das Grazer Netz ist auch vom Aufbau her mit typischen französischen Betrieben zu vergleichen. Ein sich verzweigender Linienstern trifft sich am Jakominiplatz, der vor einigen Jahren neu gestaltet wurde. Die Architektur ist Geschmacksache und hat bei den Grazern für lebhafte Diskussionen gesorgt, die Gleisverbindungen wurden damals aber erweitert und lassen nun Wendefahrten aus allen Relationen zu (unten links).

Daneben eine Problemstelle im Grazer Netz: Die enge Gleislage in der Murgasse beschränkt die Wagenbreite. Oben rechts die ebenfalls neue Endstation Andritz. In der Schleife steht ein neuer "Cityrunner", der derzeit einzige grazer Lichtblick. Wie sinnlos mit der Niederflurerrungenschaft umgegangen wird, zeigen die folgenden Bilder. Solche Lösungen wären sogar in Wien undenkbar. Hier hat man sich mit dem teuren ULF niedere Bahnsteigkanten teuer erkauft; In Graz werden mit dem eigenartigen Argument des "barrierefreien Bauens" extrem niedere Bahnsteige gebaut, die die Niederflurtechnologie ad absurdum führen. Besonders krass das Beispiel rechts: die Bahnsteigkante liegt 30 cm vom Wagen entfernt...

Damit nicht genug, wurde sogar eine Zeitinsel-Ampel, die sich mittlerweile sogar in Wien bewährt, nach Autofahrerprotesten wieder abgeschaltet. Unten: Totalwerbung ist in Graz weit verbreitet, allerdings wünscht die Stadt im Jahr 2003 ausschließlich grün-weisse Bahnen; Graz ist dann für ein Jahr Kulturhauptstadt Europas. Rechts abgestellte Wagen in der Remise Steyrergasse, das Freigelände bietet interessante Fotomöglichkeiten.

Ein weiterer Stolperstein eröffnet sich schlussendlich dem abendlichen Reisenden: dann werden Linien abgelenkt geführt und tragen nicht nachvollziehbare Nummern. Unten links ein Bild der Abendlinie 13 am Jakominiplatz. Die Anzeigetafeln zeigen nur das Fahrtziel, nicht die Abfahrtszeit an. Ansonsten wird Eigenwerbung eingeblendet.


Graz 1999: 100 Jahre Straßenbahn

Eine vergleichbare Stadt, die zeigt wie's geht: Linz

Alle Viennaslide-Bilder der Grazer Tramway

Eine Website über die Grazer Verkehrsbetriebe


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