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Requiem für einen Traum

Während der ersten Türkenbelagerung stand hier das herrschaftliche Prunkzelt von Sultan Süleyman. Heute befindet sich an derselben Stelle das städtische Krematorium, das Clemens Holzmeister 1922 geschaffen hat. Zwischen diesen beiden Eckdaten erblühte und verwahrloste hier eine der wundersamsten Gartenanlagen der Renaisseance, die zu einem der zauberischsten europäischen Schlösser dieser Epoche gehörten: dem Neugebäude.








Am 29. April 1775 erging an den Hofkriegspräsidenten von Hadick die Weisung, die "alte Gallerie von steinern saullen und gesimbser, welche Nichts Nutzet", vom Neugebäude abgetragen und nach Schönbrunn bringen zu lassen, wo sie vom Architekten Ferdinand von Hohenberg unverzüglich zum Bau der Gloriette und der gartenseitigen Prachtstiege verwendet wurden. Auch die Römische Ruine und einige Brunnen verdanken ihre Substanz derlei architektonischer "Restlverwertung". Schloß Neugebäude als das größte Zeugnis manieristischer Architektur nördlich der Alpen hatte zu bestehen aufgehört.

Reste der Substanz finden sich auch heute noch: In Schönbrunn wurden vor einigen Jahren Teile der Alabasterbrunnen entdeckt - auf einer jahrzehntealten Schutthalde. Das schöne Modell, das die ursprünglich Pracht rekonstruiert, entstand anlässlich der Revitalisierungsplanungen.

Heute, mehr als ein Jahrzehnt nach Beendigung der archäologischen Ausgrabungen, verfällt das Schloss weiter. Die Grabungen, notdürftig mit bereits verrotteten Planen abgedeckt, sind überwuchert, erstmals ist durch das undichte Dach auch die Bausubstanz selbst in Gefahr. Eine Änderung des Zustandes ist ferner als je zuvor; die vergleichsweise geringe Summe von etwa 10 bis 15 Mio. Euro, die für eine sanfte Revitalisierung nötig wäre, ist nicht aufzutreiben. Neugebäude bleibt weiterhin das zerbrochene Spiegelbild Schönbrunns, verzaubert, eine Lücke in der Zeit.





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